Hebel bei der Arbeit

Quelle: grok.com

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Von Groß- und Kleinanlegern, Liquidationen sowie neuen Rekorden

Wer die Rechnung wirklich bezahlt

Im Juli haben die Halbleiterwerte einen Absturz hingelegt, für den es keine einzige schlechte Nachricht aus dem operativen Geschäft gab. Micron (WKN: 869020) meldete den höchsten Quartalsumsatz seiner Geschichte, 41,46 Mrd. USD gegen einen Konsens von 35,84 Mrd. USD, und einen Gewinn je Aktie von 25,11 USD gegen erwartete 20,28 USD. Die Aktie verlor in derselben Woche 10,6% und über den Monat 28,7%. SK hynix (WKN: A1JWRE) wies für das zweite Quartal eine operative Marge von 76% aus und fiel am 28.7. in Seoul um 14,7%. Wenn Rekordzahlen und Kurseinbruch derart zuverlässig zusammenfallen, liegt es nicht an den Zahlen.

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„Situationsbewusstsein“

Es lag am Hebel. Am 28.7. berichtete die Financial Times, dass Goldman Sachs und JPMorgan als Prime Broker von Hedgefonds mit einseitig konzentrierten Technologiepositionen zusätzliche Sicherheiten verlangten. Wer nicht nachschießen konnte, verkaufte – nicht die Position, von der er am wenigsten überzeugt war, sondern die, die sich noch am besten losschlagen ließ. Das Lehrstück lieferte Situational Awareness („Situationsbewusstsein“), der Fonds des früheren OpenAI-Mitarbeiters Leopold Aschenbrenner. Anfang Juli verwaltete er rund 45 Mrd. USD, nach einem Monatsverlust von 67% und einer Welle von Margin Calls sind es noch rund zehn Mrd. USD. Ken Griffins Citadel kaufte den Großteil der liquidierten Aktienpositionen in einer Aktion, die keine 24 Stunden dauerte.

Die zweite Hälfte der Rechnung wurde in Südkorea beglichen, von Privatanlegern. Die Börse in Seoul hatte im Mai gehebelte Einzelaktien-ETFs eingeführt; die Rally des ersten Halbjahres wurde zu erheblichen Teilen auf Kredit finanziert. Bis zum 13.7. erhielten nach Angaben der Finanzaufsicht FSS und Daten von Goldman Sachs mehr als 1,2 Mio. gehebelte Konten einen Margin Call. Weltweit schrumpfte das in gehebelten Halbleiter-ETFs verwaltete Vermögen von rund 163 auf rund 60 Mrd. USD. Der iShares MSCI Global Semiconductors verlor im Juli 22,1% – der schlechteste Monat seit Dezember 2002.

Das ist keine Neubewertung der Künstlichen Intelligenz, sondern eine Zwangsräumung. Der Unterschied ist für Anleger erheblich: Eine Neubewertung hält an, eine Zwangsräumung endet, wenn der letzte Gezwungene verkauft hat. Nikolaos Panigirtzoglou von JPMorgan schätzt, dass die gehebelten ETF-Positionen aufgelöst sind und die Hedgefonds ihr Deleveraging zu rund 90% hinter sich haben. Die Margin-Verschuldung am US-Markt liegt gleichwohl bei 1,5 Bio. USD. Wir haben im SIW 27 geschrieben, dass sich die Aktienblase in eine Kreditblase verwandelt. Damals ging es um die Bilanzen der Konzerne. Inzwischen gilt es auch für die Depots ihrer Aktionäre.

Plus Achtzehn Prozent

Wie abrupt so eine Zwangsräumung in an sich begehrten Titeln endet, war am Freitag zu beobachten. Der KOSPI schoss 18% in die Höhe – der größte Tagesgewinn seiner Geschichte – und machte damit den Einbruch von 17% aus den drei Handelstagen zuvor fast vollständig wett. SK hynix legte bis zur Schlussglocke 29,95% auf 1.718.000 KRW zu, Samsung Electronics (WKN: 888322) 26,81% auf 262.500 KRW. Trotz dieses Sprungs beendete der KOSPI den Juli mit mehr als 20% Minus.

Der Auslöser kam allerdings nicht aus Seoul, sondern aus Redmond und Seattle. Die Panik beendeten ausgerechnet jene Zahlen, mit denen Microsoft und Amazon ihre Investitionspläne bestätigten. Wer am Donnerstag noch verkaufte, weil die Hyperscaler die Chipbudgets kürzen könnten, kaufte am Freitag zurück, weil sie es nicht taten. Bemerkenswert ist die Größenordnung. Ein Tagesplus von 18% bei einem billionenschweren Index ist nicht Ausfluss einer veränderten Meinung. Es ist die Kehrseite derselben Mechanik: Wo tagelang zwangsverkauft wurde, fehlt anschließend das Angebot. Samsung Electronics meldete unterdessen für das zweite Quartal einen operativen Gewinn von 89,49 Bio. KRW (rund 54 Mrd. EUR), das dritte Rekordquartal in Folge und den höchsten Quartalsgewinn eines Halbleiterherstellers weltweit. Diese Zahl stand schon am 30.7. im Raum, als die Kurse noch fielen.

Die „Cliffhanger“ der Vorwoche

Vor einer Woche mussten wir zwei Fragen offenlassen, weil die Antworten erst nach Redaktionsschluss kamen. Erstens Microsoft (WKN: 870747) und Meta Platforms (WKN: A1JWVX). Die Messlatte lautete: Azure über 40% und ein Investitionsausblick, der nicht schon wieder nach oben zeigt. Microsoft lieferte beides. Azure wuchs 43%, der Jahresumsatz der Sparte überschritt erstmals 100 Mrd. USD. Zudem stellte Finanzchefin Amy Hood in Aussicht, die Investitionen in die KI-Infrastruktur zu deckeln, statt weiter zu erhöhen. Nachbörslich ging es 8,1% nach oben. Meta verfehlte beides. Der Umsatz stieg zwar um 28% auf 60,8 Mrd. USD, der Gewinn je Aktie blieb mit 6,18 USD aber gut einen Dollar unter der Erwartung, belastet von Rechts- und Restrukturierungskosten über 3,58 Mrd. USD. Der freie Cashflow schmolz auf 784 Mio. USD. Die Untergrenze der Investitionsplanung wurde auf 130 Mrd. USD angehoben, der Ausblick für das dritte Quartal mit 61 bis 64 Mrd. USD am unteren Rand angesetzt. Die Aktie verlor über 7%.

Zweitens die Federal Reserve: Der Korridor bleibt bei 3,50 bis 3,75%, zum fünften Mal in Folge. Interessant ist das Stimmbild: Beth Hammack, Neel Kashkari und Lorie Logan stimmten für eine Anhebung um 25 Basispunkte. Drei Gegenstimmen in dieselbe Richtung gab es zuletzt 2016. Kevin Warsh nannte es einen ordentlichen Familienstreit, den er sich gewünscht und bekommen habe. Die Rendite dreißigjähriger US-Staatsanleihen stieg um mehr als neun Basispunkte auf 5,19%. Donald Trump schwächte den Fed-Chef eher, als dass er ihn stärkte: Warsh würde ja gern senken, aber er habe nun einmal ein Board, und das sei politisch. Wer nach zwei Jahrzehnten Notenbank-Handreichung und „Guidance“ wissen will, wie geldpolitische Kommunikation ohne Krücken klingt – so klingt sie. Was ein einzelner Abend in der Geldgeschichte anrichten kann, haben wir in der aktuellen Ausgabe anhand des 15. August 1971 nachgezeichnet.

Ein Gewinn, der nie überwiesen wurde

Amazon (WKN: 906866) steigerte den Umsatz im zweiten Quartal um 20% auf 200,6 Mrd. USD, AWS wuchs 37% und damit so schnell wie zuletzt Ende 2021. Der Nettogewinn sprang von 18,2 auf 62,6 Mrd. USD. Diese Zahl verdient einen zweiten Blick. Davon stammen allerdings satte 53,4 Mrd. USD aus einem nicht-operativen Vorsteuergewinn, der ganz überwiegend auf die Beteiligung am KI-Unternehmen Anthropic zurückgeht. Es handelt sich um eine Neubewertung, nicht um einen Zahlungseingang. Anthropic wiederum ist Großkunde von AWS. Damit hat der Kreislauf, vor dem die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Sachen zirkulärer Finanzierung gewarnt hat, nun seine eigene Zeile in der Bilanz. Wer sonst noch am KI-Boom verdient, ohne die Rechenzentren selbst bezahlen zu müssen, steht im aktuellen Substanz Investor 8/2026: Versorgeraktien als Profiteure des Energiehungers.

Zwei Tage vor der Sperrfrist

SpaceX (WKN: A42D4F) hat gestern Abend erstmals als börsennotiertes Unternehmen Zahlen vorgelegt. Die waren durchweg besser als erwartet. Der Umsatz stieg um 92% auf 7,81 Mrd. USD, der Konsens hatte bei 6,93 Mrd. USD gelegen. Alle drei Segmente übertrafen die Schätzungen: Space 962 Mio. USD, Connectivity 4,29 Mrd. USD, das KI-Geschäft 2,56 Mrd. USD. Der Nettoverlust schrumpfte auf 541 Mio. USD, nach rund 1 Mrd. USD im Vorjahresquartal; FactSet hatte 1,9 Mrd. USD erwartet. Das bereinigte EBITDA stieg um 191% auf 3,5 Mrd. USD. Profitabel ist aber weiterhin allein Starlink, mit einem operativen Gewinn von 1,66 Mrd. USD und mehr als 12 Mio. Abonnenten.

Nachbörslich fiel die Aktie dennoch um bis zu 8%. Der Grund: Die Investitionen versechsfachten sich im Vergleich zum Vorjahresquartal auf 18,4 Mrd. USD. Erwartet worden waren 13,2 Mrd. USD. Stattliche 15,83 Mrd. USD entfielen auf das KI-Geschäft, und das ist exakt das Muster, das wir vergangene Woche schon bei Alphabet beschrieben haben und das diese Woche auch Meta erwischt hat: Entscheidend ist nicht mehr der Gewinn, sondern das große Geldverbrennen. Am Donnerstag endet die Haltefrist für bis zu 911,5 Mio. Aktien, gut ein Fünftel des Kapitals. In unserem Musterdepot besitzen wir bereits ein Turbo-Short-Zertifikat der Aktie und wollen diese Position sogar noch ausbauen.

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10 Jahre Hayek-Club Weimar

Der Hayek-Club Weimar feiert sein zehnjähriges Bestehen und lädt am 15. August 2026 zu einer Tagung, die das Beste der Österreichischen Schule versammelt. Unter dem Titel „Zurück zur Vernunft: Mit der Österreichischen Schule gegen Planwirtschaft und Interventionismus“ sprechen unter anderem Gerd Habermann über die lebensfreundliche Botschaft der Austrians, Markus Krall über die metaphysischen Grundlagen der Freiheit und Thorsten Polleit über Kant und den Libertarismus. Wer fundierte Argumente und klare Gedanken schätzt, wird an diesem Tag auf seine Kosten kommen. Dazu gibt es reichlich Gelegenheit zum Austausch mit Gleichgesinnten in entspannter, sommerlicher Atmosphäre.

Karten und Anmeldung: hayek.club.weimar@mail.de

Programm als PDF


Der Deal, von dem nur einer weiß

In der Nacht auf Sonntag sagte Trump den angekündigten Großangriff auf den Iran ab, den er zuvor als den größten seit dem Zweiten Weltkrieg beschrieben hatte. Begründung: Es zeichneten sich Umrisse einer Einigung ab, Verhandlungen sollten am Montag beginnen, ein Abkommen über die Straße von Hormus stehe, das Atomabkommen folge. Verteidigungsminister Hegseth ließ auf X wissen, das Militär stehe weiterhin bereit. Teheran widersprach umgehend. Außenamtssprecher Esmaeil Baghaei erklärte, es gebe weder Verhandlungen mit den USA noch geplante Treffen; man spreche ausschließlich mit dem Oman über eine sichere, ausdrücklich temporäre Route durch die Meerenge. Trump nannte die iranische Führung daraufhin unfassbar hinterhältig und sprach von der letzten Chance. Am Montagabend wurde vor der omanischen Küste ein Schiff angegriffen. Sechs von Saudi-Arabien betriebene Tanker fahren inzwischen um Afrika herum, was ihre Reise um mindestens zwei Wochen verlängert.

Der Ölmarkt hat sich davon nicht beirren lassen. Brent rutschte in der Nacht auf Sonntag um bis zu 10% ab, notierte am Montagvormittag rund 8% tiefer. Am 2.8. hatte sich zudem die OPEC+ auf ein Förderplus ab September verständigt. Trump merkte an, die Ölkonzerne verdienten in diesem Krieg zu viel. Das Zwischenergebnis: Der Markt preist eine Vereinbarung ein, die eine der beiden Vertragsparteien bestreitet, und einen geöffneten Seeweg, den niemand befährt. In drei Monaten sind Zwischenwahlen und da sind hohe Spritpreise Gift für das Weiße Haus. Für die Preisbildung an den Rohstoffbörsen ist das inzwischen offenbar die relevantere Information als der Schiffsverkehr.

Silber, zweite Stufe

Gold notiert bei rund 4.100 USD je Feinunze, nach knapp über 5.400 USD im Januar. Silber steht bei gut 61 USD, das Gold-Silber-Verhältnis bei 67,7. Seit Jahresbeginn liegt Silber 13,5% im Minus. Wir hatten vor zwei Wochen die These vertreten, dass der Rückschlag nun in eine Bodenbildung übergegangen sei und der Kursverlauf konstruktiver werde. Auch wenn das vorerst ein zartes Pflänzchen ist, an dieser Einschätzung hat sich nichts geändert. Heute legte das weiße Metall satte rund 4% zu. Warum wir sogar von einer weiteren massiven Hausse-Stufe beim Silber ausgehen, lesen Sie übrigens in der Titelgeschichte des Substanz Investor 6/2026.

Zu den Märkten

Der DAX hat geliefert, was wir ihm vor zwei Wochen nicht zugetraut hätten. Nachdem der Ausbruch über das Allzeithoch vom 6. Juli bei 25.907 Punkten mehrfach gescheitert war, riss der Index am Montag mit einem Eröffnungs-Gap von mehr als 200 Punkten die Schiebezone auf. Am Nachmittag folgte das Intraday-Hoch bei 26.097, der Schlusskurs lag bei 26.001 Punkten und damit 1,5% im Plus. Erstmals in seiner Geschichte steht der Index damit über 26.000 Punkten. Nächster Orientierungspunkt nach oben ist die psychologische Marke bei 26.500, die Unterstützung liegt bei knapp über 25.000 Zählern. Getragen wurde die jüngste Aufwärtsbewegung von den Schwergewichten, unter ihnen Deutsche Telekom (WKN: 555750) und SAP (WKN: 716460).

Die Konjunktur bleibt derweil verhalten. Lufthansa (WKN: 823212) meldete einen herben Gewinneinbruch im zweiten Quartal, verursacht durch Kerosinpreisanstieg und Streiks. Vorstandschef Spohr hält für 2026 nun doch einen Gewinnrückgang für möglich. Zalando (WKN: ZAL111) enttäuschte mit Umsatz und Ergebnis und verlor über 14%. Hugo Boss (WKN: A1PHFF) meldete 10% Umsatzrückgang bei mauer Konsumstimmung in Europa. Bayer (WKN: BAY001) gewann 2,4% dank guter Quartalszahlen, das Geld wird hier aber im Ausland verdient.

Musterdepots

In unserer Rubrik Musterdepot berichten wir heute unter anderem über die Entwicklung bei unseren Uran-Aktien. Unsere große Monatsübersicht für den Juli, inklusive Tabelle und Transaktionsliste, finden Sie in Ausgabe 30/2026. Im Musterdepotbereich können Sie sich durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die Transaktionen der letzten Wochen verschaffen. Um diesen Bereich zu lesen, müssen Sie Abonnent des Substanz Investor Magazins sein und sich auf der Substanz-Investor-Website einloggen. Sollten Sie Ihr Passwort vergessen haben, fordern Sie bitte ein neues an bei Mailto: abo@substanzinvestor.de.

Fazit

Die Woche hat drei Rekorde geliefert: den größten Tagesgewinn der koreanischen Börsengeschichte, den ersten DAX-Schlusskurs über 26.000 Punkten und den höchsten Quartalsgewinn, den je ein Halbleiterhersteller ausgewiesen hat. Ein unbehagliches Gefühl haben viele Anleger dennoch. Das könnte man aus dem Blickwinkel eines Contrarians sogar positiv deuten. Echte Contrarians halten in einer Zeit, da die Märkte auf die heißesten Wachstumsstorys fixiert sind, aber nach Value Ausschau – und das ist „zufälligerweise“ die Titelgeschichte des aktuellen Substanz Investor 8/2026: Value Investing – Hat das Warten ein Ende?.

Ralf Flierl, Ralph Malisch

 

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Die Charts wurden erstellt mit stock3 und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.

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