Winner takes the „All“

Titelbild: grok.com

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Raketen, Visionen und Charisma

Raumfahrt mit Sicherheitsgurt

Zunächst klingt es nach einem Marketingtrick. Man will sich interessant machen. Man will zeigen, wie gut das eigene Produkt ist. Wie weit man der Konkurrenz enteilt ist. Jedoch: Es ist ernst, es ist wahr. Das KI-Weltunternehmen Anthropic mailt gerade seine Kunden an: „Die US-Regierung hat unter Berufung auf nationale Sicherheitsbehörden eine Exportkontrollrichtlinie erlassen, um allen Ausländern innerhalb oder außerhalb der Vereinigten Staaten, einschließlich ausländischer Mitarbeiter von Anthropic, jeglichen Zugang zu Fable 5 und Mythos 5 zu sperren. Wir haben die Anweisung heute um 5:21 Uhr (ET) von der Regierung erhalten.“

Mit anderen Worten: Die amerikanische KI-Software ist zu gut für Europa und den Rest der Welt. Demnächst geht Anthropic an die Börse. CEO Dario Amodei wird Milliarden einsammeln und sein technologisch überlegenes Produkt zügig weiterentwickeln. Wobei es „zügig“ nicht ganz trifft, denn Elon Musk kam ihm mit seinem Börsengang zuvor und demonstrierte dabei auch gleich das Rezept, das heute an den Märkten funktioniert: Man nehme ein herausragendes Produktportfolio (wiederverwendbare Rakete, Satellitennetzwerk). Man multipliziere es mit ausgreifenden Visionen (Marsbesiedlung, KI-Kraftwerke im Weltraum), welche Anleger begeistern. Heraus kommt dann ein Börsenwert für SpaceX (WKN: A42D4F), der bereits drei Tage nach der Erstnotierung die Marktkapitalisierung des Weltbörsenriesen Amazon (WKN: 906866) übertrifft, ebenfalls ein US-Unternehmen. Multiplikator Musk denkt gar nicht ans Pausemachen. Schon greift er nach der Muttergesellschaft des KI-Codierungsagenten Cursor, will sie SpaceX für 60 Mrd. USD einverleiben, um den hauseigenen KI-Chatbot Grok für die lukrativen Unternehmenskunden zu boostern.

Wie schon Tesla ist SpaceX weniger eine Bewertungs- als eine Glaubensfrage, die sich um den Mythos des Gründers Elon Musk rankt. Der geniale Nerd, der aus der buchstäblichen Garage einen Weltkonzern baut, ist vielleicht die amerikanischste aller Erfolgsgeschichten. Doch die so gerne kolportierten Garagen-Geschichten halten der harten Realität oft nicht stand. Im kommenden Substanz Investor 7/2026 werden wir einigen dieser Erzählungen vom einsamen Tüftler auf den Zahn fühlen – mit erstaunlichen Einsichten und Implikationen.

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10 Jahre Hayek-Club Weimar

Der Hayek-Club Weimar feiert sein zehnjähriges Bestehen und lädt am 15. August 2026 zu einer Tagung, die das Beste der Österreichischen Schule versammelt. Unter dem Titel „Zurück zur Vernunft: Mit der Österreichischen Schule gegen Planwirtschaft und Interventionismus“ sprechen unter anderem Gerd Habermann über die lebensfreundliche Botschaft der Austrians, Markus Krall über die metaphysischen Grundlagen der Freiheit und Thorsten Polleit über Kant und den Libertarismus. Wer fundierte Argumente und klare Gedanken schätzt, wird an diesem Tag auf seine Kosten kommen. Dazu gibt es reichlich Gelegenheit zum Austausch mit Gleichgesinnten in entspannter, sommerlicher Atmosphäre.

Karten und Anmeldung: hayek.club.weimar@mail.de

Programm als PDF


Dennoch ist nicht zu übersehen, dass Europa auf dem Feld der Hochtechnologie weitgehend abgehängt ist. Wieder mal. Zunächst verschlief man großteils die Chancen bei der Entwicklung der Kerntechnologien des Internets. Dann lachte man über jeden missglückten SpaceX-Raketenstart des vermeintlich überspannten Elon Musk. Schließlich spornte diese neue „Künstliche Intelligenz“ Brüssel vor allem zu neuen regulatorischen Höchstleistungen an. Statt sich anzusehen, wie in den USA durch clevere Staatsaufträge an innovative Start-Ups die Technologieführer von morgen gefördert wurden und werden (s.o.) und daraus zu lernen, wissen Politiker und Bürokraten hierzulande ohnehin alles – und alles besser.
Aktienanleger, die sich weniger für europäische Regulierungen und mehr für amerikanische Space-Unternehmen interessieren, können die entsprechenden ETFs näher prüfen wie iShares Space Technologies (WKN: A42BME), ARK Space & Defence Innovation (WKN: A419N7), WisdomTree Space Economy (WKN: A429CU) und VanEck Space Innovators ETF (WKN: A3DP9J). Sie behandeln das Thema mit jeweils unterschiedlichen Schwerpunkten, aber immer mit Sektor- und damit Risikostreuung.

Die große Handtaschenkrise

Teure Handtaschen waren jahrelang die zuverlässigsten Gewinnbringer der Luxusmodenbranche. Es gibt – anders als bei Schuhen – bei schicken Clamps keine Größenprobleme, keine Rabattaktion, dafür hohe Margen. Nur: Das klappt seit Neuestem nicht mehr. Daten der Unternehmensberatung Bain & Company registrieren einen Rückgang der Luxustaschen-Verkäufe um rund 10% gegenüber den Höchstständen von 2023, was einem jährlichen Ausfall von rund 8 Mrd. USD entspricht. Die Börse hat längst Lunte gerochen. Die Aktien der europäischen Luxuskonzerne LVMH (WKN: 853292), Kering (WKN: 851223) und Hermès (WKN: 886670) notieren im Schnitt rund 27% unter dem Stand von Anfang 2024.

Die Marken hatten während der Corona-Pandemie die Preise aggressiv angehoben und damit Käufer verprellt. Ein zweiter Grund für den verblassenden Charme der Luxuswaren: Die Birkin, die Classic Flap von Chanel, die Bottega-Veneta-Flechtoptik, sie sind durch Instagram allgegenwärtig geworden. Aber man möchte sich mit teuren Taschen das Gegenteil kaufen, nämlich Exklusivität. „Alles, was Sichtbarkeit schafft, ist nicht unbedingt gut“, formuliert es Luca Solca, Luxusgüteranalyst bei Bernstein, gegenüber dem Wall Street Journal.

Jetzt angesagt sind stattdessen gebrauchte Taschen. Auf der Resale-Plattform The RealReal stiegen die Luxustaschen-Verkäufe seit 2023 um 20%. Suchanfragen nach Vintage-Taschen legten im Mai gegenüber dem Vorjahresmonat um 131% zu. Der Kauf einer gebrauchten Rarität signalisiert heute etwas, das eine neue Tasche nicht mehr kann: Kennerschaft. Wer eine seltene Tasche aus den 1990ern trägt, zeigt Modegeschichtswissen. Das neue Statussymbol ist nicht der Preis, sondern das eigene, durch Wissen grundierte Urteil.

Spätstart der Frühstart-Rente

Im Rahmen des „One Big Beautiful Bill Act“ legt das US-Finanzministerium ab 4. Juli für jeden zwischen 2025 und 2028 geborenen US-Bürger 1.000 USD in einen Aktienmarktfonds. Eltern, Arbeitgeber und Stiftungen können weitere Beträge einzahlen. Schon ohne erneute Einzahlungen wächst der Startbetrag laut Weißem Haus bis zum 18. Lebensjahr auf 5.800 USD, bis zum 28. Lebensjahr auf 18.100 USD – falls sich die Wachstumsraten der Vergangenheit wiederholen.

Deutschland plant Ähnliches, aber auf typisch deutsche Art: Vom sechsten bis zum 18. Lebensjahr will der Staat eine sogenannte Frühstart-Rente zahlen. Kinder sollen monatlich 10 EUR in ein Altersvorsorgedepot überwiesen bekommen. Insgesamt vorgesehen sind 1.440 EUR staatliche Einzahlungen pro Kind. Das überwiesene Geld wurde natürlich vorher den Steuerzahlern abgenommen und bleibt im Depot bis zur Rente gesperrt: So viel zum Thema mündiger Staatsbürger und dessen Anleitung zur Eigenverantwortung …

Die Einführung des Systems ist zudem ein Fest für Bürokraten; es soll jahrgangsweise erfolgen. Den Anfang machen – so ist es bisher geplant – im laufenden Jahr die Kinder des Geburtsjahrgangs 2020. In jedem Folgejahr kommt der nächste Jahrgang hinzu. Ab 2029 sollen ältere Jahrgänge, die bis dahin nicht berücksichtigt wurden, nachträglich aufgenommen werden.

Das Kabinett beschloss die Eckpunkte des Vorhabens am 17. Dezember 2025. Am 26. Februar 2026 wurde die Reform im Bundestag in erster Lesung beraten. Ein verabschiedetes Gesetz existiert bislang nicht. Das Vorhaben befindet sich wohl dauerhaft in der Planungs- und Gesetzgebungsphase, und bis zur Verabschiedung gibt es keine Antragsmöglichkeit. Ab 11. Juli weilen die Parlamentarier dann erst einmal in der Sommerpause. Die dauert weitere zwei Monate …

Zu den Märkten

Nun ist es wohl da, das Übergangsabkommen zwischen den USA und dem Iran. Angekündigt wurde es so oft, dass die meisten aufgehört haben, daran zu glauben oder gar mitzuzählen. Dennoch scheint es diesmal ernster zu sein als zuvor, wie insbesondere der Ölpreis signalisiert, der sich deutlich von seinen Hochs nach unten abgesetzt hat. Mit einem Abkommen ist die Hoffnung auf eine dauerhafte Öffnung der Straße von Hormus verbunden, was der Weltwirtschaft eine ihrer großen Sorgen nehmen würde. Zwar reagierten auch die Aktienmärkte erleichtert, doch die Rally fiel nicht annähernd so stark aus, wie man dies angesichts einer derart weltbewegenden Nachricht hätte erwarten dürfen. Die Marktteilnehmer sind, wer wollte es ihnen verübeln, schon zu oft von solchen Ankündigungen enttäuscht worden. Dazu kommt die Zinserhöhung der EZB und die Unsicherheit über den künftigen Kurs der Fed unter ihrem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh. Heute Abend nach der Sitzung der US-Notenbank wissen wir auch hier etwas mehr.

Musterdepots

In unserer Rubrik Musterdepot berichten wir diesmal über die Entwicklung in unserem Aktien-Musterdepot. Unsere große Monatsübersicht für Mai inklusive des Tabellenteils finden Sie in der Ausgabe vom 27.5.2026. Im Musterdepotbereich können Sie sich durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die Transaktionen der letzten Wochen verschaffen. Um diesen Bereich zu lesen, müssen Sie Abonnent des Substanz Investor Magazins sein und sich auf der Substanz-Investor-Website einloggen. Sollten Sie Ihr Passwort vergessen haben, fordern Sie bitte ein neues an bei Mailto: abo@substanzinvestor.de.

Fazit

Der Börsengang von SpaceX ist erst einmal geglückt. Die Notierungen sind dabei allerdings in Sphären gelandet, die schon sehr viel vom Charisma Musks und der Fantasie des Papiers einpreisen.

Ralf Flierl, Frank Sauerland, Ralph Malisch

 

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Die Charts wurden erstellt mit stock3 und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.

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